Rezension Eigentümlich frei - Buch Träum weiter Deutschland

14. März 2011, eigen­tüm­lich frei von Car­los A. Gebauer

Über das neue Buch von Gün­ter Ederer

Nach Lek­türe die­ses Buches dürf­ten die meis­ten Leser nur eines den­ken: Möge das alles doch, bitte, nicht wahr sein! Doch es steht zu fürch­ten, dass auch diese Arbeit Gün­ter Ede­rers – wie stets, wenn er zu Stift oder Kamera greift – die Wirk­lich­keit ver­läss­lich abbil­det. Die hier akri­bisch und unbe­stech­lich vor­ge­legte Fak­ten­samm­lung zur Lage der Nation zeigt: Die große Mehr­heit der Bür­ger unse­res Lan­des lebt ganz augen­schein­lich in einem eigen­wil­li­gen Zustand der schwers­ten poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Realitätsverweigerung.

Die bange Hoff­nung der lich­ten Momente, alles werde so schlimm schon nicht sein oder sich jeden­falls irgend­wie schmerz­los wie­der fügen, diese Hoff­nung muss an den har­ten Wirk­lich­kei­ten bre­chen. Die ver­brei­tete Illu­sion von einer –  natür­lich poli­tisch kor­rek­ten – Her­stel­lung all­ge­mei­nen Wel­t­en­glücks wird an die­sen, von Ede­rer erbar­mungs­los zusam­men­ge­tra­ge­nen deut­schen Rea­li­tä­ten zerschellen.

Von wel­chen Rea­li­tä­ten also erfährt der Leser hier, dies­seits der öffentlich-rechtlichen und linientreu-opportunistischen Hof­be­richt­er­stat­tung? Mit bul­li­ger Wucht holt Ede­rer aus zu einem his­to­ri­schen, sys­te­ma­ti­schen und empi­ri­schen Säbel­hieb auf die deut­sche Gegen­warts­be­find­lich­keit. Und der vor­ge­tra­gene Schlag auf diese Gesell­schaft, die schon so lange auf den ange­mahn­ten „Ruck“ war­tet, ist ebenso not­wen­dig, wie er der­zeit – lei­der meist noch alter­na­tiv­los – sei­nes­glei­chen sucht.  Wie also kam es zu die­ser Flucht aus der Rea­li­tät in den Traum?

Die erste wesent­li­che Wur­zel die­ser deut­schen Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung ver­or­tet Ede­rer bereits in der Kanz­ler­schaft Ottos von Bis­marck. Die­ser hatte bekannt­lich ange­sichts der wach­sen­den staat­li­chen Legi­ti­ma­ti­ons­krise des 19. Jahr­hun­derts beschlos­sen, die durch phy­si­sche Gewalt abseh­bar nicht mehr beherrsch­ba­ren Mas­sen poli­tisch statt­des­sen dadurch – so wört­lich – „zu beste­chen, den Staat als soziale Ein­rich­tung anzu­schauen, die ihret­we­gen besteht und für ihr Wohl sor­gen möchte“. Mit die­sem agi­ta­to­ri­schen Hand­streich des eiser­nen Kanz­lers war der Grund­stein dafür gelegt, dass den Deut­schen seit­her – fas­zi­nie­ren­der Weise unge­ach­tet der jeweils wech­seln­den Staats­form – immer wie­der erfolg­reich vor­ge­spie­gelt wer­den konnte, poli­ti­sche Macht werde, ganz selbst­los, stets nur zu ihrem je eige­nen Wohl aus­ge­übt. Seit jener Zeit glaubt der Deut­sche aber nicht nur allzu gerne, poli­ti­sche Macht diene sei­nem sozia­len Wohl. Seit jener Zeit erwar­tet er dar­über hin­aus von sei­nen poli­ti­schen Füh­rern gera­dezu, genau diese Staats­le­gi­ti­ma­tion immer wie­der her­ge­sagt zu hören. Ein sol­ches ideo­lo­gi­sches Geben und Neh­men konnte natur­ge­mäß über andert­halb Jahr­hun­derte nicht ohne Kon­se­quen­zen bleiben.

Aus der preu­ßi­schen Staats­dok­trin, dass der Befeh­lende für das Wohl sei­nes Unter­ge­be­nen ver­ant­wort­lich sei, konnte sich in der Folge dem­nach ganz naht­los die Vor­stel­lung ent­wi­ckeln, jene staat­li­che Fremd­ver­ant­wor­tung müsse umso bes­ser gelin­gen, je mäch­ti­ger der Befeh­lende sei. Die unter die­ser Annahme kon­se­quent zuneh­mende Über­tra­gung von immer mehr Eigen­ver­ant­wor­tung an den Staat musste dann, spie­gel­bild­lich, zum Ein­fall­tor für auch immer grö­ßere poli­ti­sche Macht­an­sprü­che wer­den. In die somit vor­be­rei­tete bür­ger­li­che Bequem­lich­keits­er­war­tung an den Staat fügte sich das ideo­lo­gi­sche Ange­bot Ernst Forst­hoffs aus dem Jahre 1938 nur zu treff­lich, am bes­ten doch gleich die ganze mensch­li­che „Daseins­vor­sorge“ einem all­zu­stän­di­gen Staat zu überantworten.

So nahm das Drama sei­nen wei­te­ren Lauf. Goeb­bels Pro­pa­ganda wusste die sozia­len „Errun­gen­schaf­ten“ des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staa­tes für diese Erwar­tungs­hal­tung treff­lich zu ver­kau­fen: Die Ein­füh­rung des Kin­der­gel­des, die Steu­er­frei­heit von Nacht- und Wochen­end­ar­beit, die Abschaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren und die pro­gres­si­ven Steu­ern für höhere Ein­kom­men; alles fügte sich in jenen Plan, den Hit­lers Finanz­staats­se­kre­tär Fritz Rein­hard auf den Begriff von der „unbe­ding­ten sozia­len Gerech­tig­keit“ für alle brachte.

Pikant an die­ser his­to­ri­schen Her­lei­tung des „sozia­len Staa­tes“ ist nicht nur, wenn Ede­rer die ideo­lo­gi­schen Iden­ti­tä­ten der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Vor­ge­hens­weise mit denen der sich „anti­fa­schis­tisch“ nen­nen­den DDR beschreibt; denn gerade die wollte bekannt­lich ebenso mit „Volks­ei­gen­tum in Vol­kes­hand“ alle ele­men­ta­ren mensch­li­chen Grund­be­dürf­nisse staat­li­cher­seits befrie­digt wis­sen. Pikant sind umso mehr die Par­al­le­len zwi­schen jenen (bezeich­nen­der­weise auch in Staats­bank­rot­ten geen­de­ten) his­to­ri­schen deut­schen Poli­tik­stra­te­gien und denen des heute aktu­ell agie­ren­den bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Staatswesens.

Denn nicht nur Hit­lers Reichs­fi­nanz­mi­nis­ter Johann Lud­wig Graf Schwe­rin von Kro­sigk war de facto ebenso pleite wie Hone­ckers Finanz­ex­per­ten Ernst Höner, Alex­an­der Schalck-Golodkowski oder Ger­hard Schü­rer. Auch die Finanz­ma­na­ger der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land leb­ten und leben bekann­ter­ma­ßen kon­se­quent über die Ver­hält­nisse der eige­nen Bevöl­ke­rung: Kopf­schüt­telnd bemerkt Ede­rer, dass aus­ge­rech­net poli­tisch in Amt und Wür­den gehievte Exper­ten wie die Vor­stand­spre­che­rin Ingrid Matthäus-Maier der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau oder Peer Stein­brücks Staats­se­kre­tär Jörg Asmus­sen mit ihren Ent­schei­dun­gen anläss­lich der letz­ten soge­nann­ten Finanz­krise kon­se­quent Unsum­men von Steu­er­gel­dern ihrer Bür­ger im Nichts ver­senk­ten – ohne jede per­sön­li­che nach­tei­lige Kon­se­quenz. Die seit Bis­marck ein­ge­übte bür­ger­li­che Fak­ten­ver­drän­gung wiegt auch den Gegen­warts­deut­schen im irri­gen Gefühl, in sozia­len Fra­gen durch Poli­ti­ker­hand bes­tens ver­sorgt und abge­si­chert zu sein. Wie schlecht die­ser Schlaf tat­säch­lich ist, zeigt Ede­rers Blick auf die per­so­nelle Beset­zung des Ver­wal­tungs­ra­tes der staat­li­chen Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau; wohl kaum sonst ein Ban­ker hat in der letz­ten Krise mehr finan­zi­elle Fehl­ent­schei­dun­gen getrof­fen, als die dort als Ban­ken­ma­nage­ment ver­sam­melte ‚creme de la creme‘ der deut­schen Politeliten.

Trotz alle­dem ist der Traum von der staat­li­chen Lösung aller Pro­bleme in Deutsch­land noch immer nicht aus­ge­träumt. Im Gegen­teil. Die poli­ti­sche Pro­pa­ganda bedient unver­dros­sen und erwar­tungs­ge­recht den Glau­ben der Mas­sen an ein „Markt­ver­sa­gen“. Und die Bevöl­ke­rung lässt sich von den zen­tral­staat­li­chen Glücks­ver­hei­ßun­gen nur allzu gerne in immer neuen Dis­kus­si­ons­run­den betö­ren. Von einer sol­chen Dis­kus­sion mit Peer Stein­brück in Pas­sau berich­tet Ede­rer gleich an meh­re­ren Stel­len. Und es macht mehr als nach­denk­lich, sei­nen Bericht über die dor­tige Rhe­to­rik des gewe­se­nen Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ters lesen zu müs­sen. Denn wenn schon ein welt­er­fah­re­ner Jour­na­list den Unver­fro­ren­hei­ten die­ses Gegen­übers fas­sungs­los gegen­über­sitzt; wel­cher Wille zur Macht und wel­che schier gren­zen­lose Illu­sio­nis­ten­be­reit­schaft mögen hin­ter die­sem Vor­ge­hen des Staats­volks­wir­tes noch lauern?

Den per­fi­den Mecha­nis­mus, durch die noto­risch poli­ti­sche Ver­fol­gung der „guten Zwe­cke“ gera­de­wegs in die Staats­pleite zu zie­len, skiz­ziert Ede­rer ebenso knapp wie zutref­fend. Nur wenn und weil ein Staat sich stän­dig für poli­tisch moti­vierte Subventions- und För­de­rungs­pro­gramme immer wei­ter über­schul­det, kön­nen auf der ande­ren Seite näm­lich erst jene gigan­ti­schen Gut­ha­ben ent­ste­hen, deren Exis­tenz dann von den­sel­ben – Scheins wie­der nur gut­mei­nen­den – Poli­ti­kern popu­lis­tisch als Super­ge­winn der markt­ex­zes­siv geld­ge­ben­den Groß­ban­ken ver­teu­felt wird: „Damit schließt sich der unheil­volle Kreis. Weil die Bevöl­ke­rung erst mit fal­schen Lösun­gen und irre­füh­ren­den Paro­len berie­selt wird, erge­ben Umfra­gen, dass der Staat als Ret­ter ange­se­hen wird. Weil der Staat als Ret­ter gese­hen wird, ver­lan­gen Poli­ti­ker mehr Ein­fluss des Staa­tes auf die Wirt­schaft. Erhält der Staat mehr Ein­fluss, ver­schlech­tern sich die wirt­schaft­li­chen Daten, ver­schär­fen sich die sozia­len Konflikte.“

Je kom­pli­zier­ter die Ver­hält­nisse durch den somit all­über­all (hier besteu­ernd und dort sub­ven­tio­nie­rend) inter­ve­nie­ren­den Staat gestal­tet wer­den, desto hilf­lo­ser und über­for­der­ter steht der ein­zelne Bür­ger der Lage gegen­über. Statt aber end­lich Abhilfe zu for­dern, fällt er wie­der und wie­der reflex­haft zurück in den beque­men und blind-unkritischen Glau­ben, der Staat werde ja zuletzt schon alles für ihn rich­ten. Und die poli­tisch kor­rek­ten Mei­nungs­ma­cher wis­sen, die­sen Glau­ben durch noto­ri­sches Pro­pa­gie­ren der beharr­lich ein­ge­üb­ten Staats­ziele zu stüt­zen: Nach dem sich lang­sam ver­brau­chen­den Bismarck’schen Staats­zweck vom immer mehr „Sozia­len“ ste­hen nun zuneh­mend die Umwelt und ihr Schutz in allen denk­ba­ren Erschei­nungs­for­men zur Legi­ti­ma­tion von all­fäl­li­gem Staats­han­deln bereit. Wäh­rend hier der kanz­le­r­in­be­ra­tende Kli­ma­prot­ago­nist Joa­chim Schnelln­hu­ber erklärt, alle Völ­ker der Welt seien unfä­hig, das Erd­klima zu schüt­zen (nur er könne es?), ver­kauft Frank H. Asbeck äußerst lukra­tiv mit Steu­er­zah­lers Unter­stüt­zung Solar­tech­nik und erfreuen die Grün­po­li­ti­ker ihr ohne­hin schon gut ver­die­nen­des Kli­en­tel mit wei­te­ren kli­ma­freund­li­chen Staats­sub­ven­tio­nen aus einem Gesetz, das Ener­gie für erneu­er­bar hal­ten will.

Egal, wie sich der gläu­big träu­mende Bür­ger dreht und wen­det: Bezahlt wird alles stets mit sei­nem Geld. Die Chan­cen, das eigene Leben selbst zu gestal­ten und die über­schau­bare Welt vor der eige­nen Tür bes­ser und lebens­wer­ter zu gestal­ten, schwin­den unter die­sen Ver­hält­nis­sen immer mehr. Dass in die­ser Welt, die von Ber­lin aus das Welt­klima, nicht aber die Fami­lie schüt­zen will, dann auch immer weni­ger eigene Kin­der gebo­ren wer­den, ver­schärft auch nach Ansicht Gün­ter Ede­rers die soziale Lage Deutsch­lands erheb­lich. Nach­dem die Bun­des­kanz­le­rin kürz­lich schon Thilo Sar­ra­zins kleine Wahr­hei­ten über Inte­gra­ti­ons­po­li­tik „nicht hilf­reich“ fand, bleibt abzu­war­ten, was sie über jene viel­fa­chen Wahr­hei­ten Gün­ter Ede­rers ver­lau­ten lässt, sobald sie auch sein Buch nicht gele­sen haben wird.

Mit die­sen tra­gi­schen Ver­stri­ckun­gen und Ver­wick­lun­gen aus Rea­li­tät und Illu­sion sind die kri­ti­schen Beob­ach­tun­gen Gün­ter Ede­rers indes noch lange nicht an ihrem End­punkt ange­langt. Staats­ban­ken und Staats­un­ter­neh­men schi­cken sich auch in der Bun­des­re­pu­blik nach wie vor an, die „Daseins­vor­sorge“ der gut­gläu­bi­gen Bür­ger zu gewähr­leis­ten. Doch in dem Trei­ben, das Mil­li­ar­den um Mil­li­ar­den Steu­er­gel­der (also: im Schweiße ihres Ange­sich­tes pro­du­zier­tes Bür­ger­ein­kom­men) ver­schiebt, haben alle Betei­lig­ten längst ret­tungs­los den Über­blick ver­lo­ren. Wäh­rend auf der einen, beschenk­ten Seite schon der Beruf des „För­der­richt­li­ni­en­be­ra­ters“ ent­stan­den ist, um dort das Ein­heim­sen von Sub­ven­tio­nen zu opti­mie­ren, wer­den auf der ande­ren, ein­sam­meln­den Seite von einer – ebenso über­for­der­ten – Steu­er­ver­wal­tung beim Mit­telein­trei­ben unbe­dacht­sam Exis­ten­zen ver­nich­tet. Rechts­schutz? Vor­läu­fig Fehl­an­zeige, par­don; die zustän­dige Rich­te­rin weilt wie­der­holt im Mut­ter­schafts­ur­laub! Die detail­lierte Schil­de­rung der Ein­zel­fälle macht hilf­los und zor­nig; sie zeigt jedoch auch das bit­tere Para­dox für den staats­gläu­bi­gen Bür­ger: „Wir bege­ben uns frei­wil­lig in die Hände von Vater Staat, sind dann aber zu Tode erschro­cken, wenn wir fest­stel­len, dass die­ser Vater sich als Amt­mann zu erken­nen gibt“.

Die Dra­men des ver­be­am­te­ten Staa­tes sind zuletzt nicht nur seine fak­ti­sche Unbe­zahl­bar­keit und die längst ein­ge­tre­tene, aber träu­mend ver­leug­nete Über­schul­dung. Es ist die Tat­sa­che, dass inter­es­sierte und ein­fluss­rei­che Eli­ten sich den staat­li­chen Macht­ap­pa­rat vie­ler­orts zunutze machen, um ihre eige­nen ideo­lo­gi­schen und/oder wirt­schaft­li­chen Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen rück­sichts­los gegen die ahnungs­lose Mehr­heit durch­zu­set­zen, was ihnen (Lud­wig Erhard hatte es gewusst) in einer wahr­haf­ten Markt­wirt­schaft nie gelin­gen könnte. Den ein­zi­gen Aus­weg aus die­sen Dilem­mata – und mit­hin die ein­zige Chance zu einem Erwa­chen aus dem kol­lek­ti­ven Staats­be­glü­ckungs­traum – sieht Ede­rer in einer Wie­der­ent­de­ckung einer ernst­haf­ten indi­vi­du­el­len Frei­heit und Verantwortung.

Einen uner­war­te­ten Hoff­nungs­schim­mer mag man darin erbli­cken, dass inzwi­schen immer mehr Bür­ger den Groß­pla­nun­gen der Behör­den nicht mehr blind Glau­ben schen­ken mögen. Denn auch wenn bei­spiels­weise der spät insze­nierte Pro­test gegen „Stutt­gart 21“ per­so­nell von eher merk­wür­di­gen Prot­ago­nis­ten ange­führt wurde, so zeigt er doch jeden­falls dies: „Auf der einen Seite wird der Staat als Garant für das All­ge­mein­wohl gese­hen und gestärkt, auf der ande­ren lau­fen die Bür­ger Sturm gegen die Ent­schei­dun­gen, die ihnen die Büro­kra­tie im Auf­trag des Staa­tes oktroyiert.“

Damit das gegen­wär­tige Staats­kon­strukt Deutsch­lands nicht wie­der (wie seine Vor­gän­ger) kra­chend gegen die Wand fährt, bedarf es nach Auf­fas­sung Ede­rers einer Art gesell­schaft­li­cher Voll­brem­sung mit anschlie­ßen­dem Bekennt­nis zu weni­ger Staat, zu mehr Wett­be­werb, zu mehr Eigen­ver­ant­wor­tung, zu weni­ger Gleich­heit und zu mehr Frei­heit. Denn unse­ren gegen­wär­ti­gen Staat kenn­zeich­nen nach Ede­rers über­zeu­gen­der historisch-empirischer Ana­lyse vier tra­gi­sche kon­struk­tive Feh­ler: (1.) Eine Über­heb­lich­keit und ange­maßte Auto­ri­tät der Eli­ten wie zu Kai­sers Zei­ten; (2.) eine wirt­schafts­po­li­ti­sche Unsi­cher­heit im Umgang mit wirt­schaft­li­chen Schief­la­gen wie in der Wei­ma­rer Repu­blik; (3.) eine Umver­tei­lungs­be­reit­schaft des Staa­tes wie zu Zei­ten des natio­na­len Sozia­lis­mus und (4.) die uto­pi­sche Denk­weise von Gleich­ma­che­rei wie in der DDR.

Wer die wei­tere poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung Deutsch­lands kri­tisch ver­fol­gen und beglei­ten will, der kommt an Gün­ter Ede­rers kennt­nis­rei­cher und pro­fun­der Ana­lyse unse­res Lan­des schlech­ter­dings nicht vor­bei. Sein Buch ist inso­fern alter­na­tiv­los hilfreich.

Copy­right © Eigen­tüm­lich Frei, Car­los A. Gebauer

 

Gün­ter Ede­rer: Träum’ wei­ter, Deutsch­land! Poli­tisch kor­rekt gegen die Wand. (Eich­born, Frankfurt/M. 365 S., 21,95 €)

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